Freitag, 13. November 2015

Trinkwassernot und Mangelernährung

äGeniessbares oder überhaupt zum Verzehr geeignetes Wasser ist an vielen Orten, die wir besuchen ein zentrales Thema. Zwar gibt es irgendwie immer einen Zugang zu Wasser, jedoch ist dieses während der heissen Jahreszeit von März bis Juni und in der Monsunzeit von Juli bis Oktober oft von übelster Qualität - und muss überdies auch über längere Strecken in Kanistern herbeigetragen werden. Im tropischen Sommer gehen die Reserven der Regenzeit gegen Null, in der Monsunzeit werden die Quellen dann oft überspült und verunreinigt.
In den armen Dörfern bedeutet das, dass - wer es sich irgendwie leisten kann - Trinkwasser in grossen Plastikflaschen kauft, während den Ärmsten nichts anderes übrig bleibt, als schlechtestes Brunnenwasser zu benutzen. Für Kinder und Kranke ein grosses Risiko.

Beim Essen sind die Regeln die gleichen: Keiner verhungert, aber für die Ärmsten gibt es eben fast nur Reis von schlechtester Sorte. Krankheiten sind die Folge der Mangelernährung. Wie immer, sind die Kinder und Schwachen am stärksten betroffen. 


Dörflicher Trinkwasserspeicher, der undicht ist und spätestens zwei Monate nach der Monsunzeit austrocknet.

Sonntag, 8. November 2015

Wahltag

Der kleinen Handvoll von Ausländern, die sich am Ort aufhält, wurde geraten, die Hotelanlagen aus Sicherheitsgründen heute nicht zu verlassen. Auf den Strassen und auch an dem kilometerlangen Strand waren so gut wie keine Menschen, auch keine Einheimischen zu sehen. Alles wirkte heute ruhig bis geradezu ausgestorben.
Mit dem Sonnenuntergang ging aber der übliche Trubel wieder los. Im Ort konnte ich überhaupt keine Unruhe oder besondere Aufregung erkennen.
Die Wahllokale haben um 16 Uhr geschlossen, aber anders als bei uns wird es wohl noch etwas dauern, bis hier Ergebnisse veröffentlicht werden. Es gab auch im Vorfeld der Wahl keine belastbaren Umfragen. Wählen ist in Myanmar eben etwas ganz Neues.

Samstag, 7. November 2015

Nargis und späte Folgen

Im Jahr 2008 fegte der tropische Wirbelsturm "Nargis" über Teile Südostasiens. Der Zyklon drückte eine Flutwelle ins Delta des Ayeyarwady-Flusses und tötete schlagartig über 100.000 Menschen. Noch viele mehr verloren alles Hab und Gut. Hilfe brachten nur die buddhistischen Mönche und kleine internationale Hilfsorganisationen, die während des Embargos in Myanmar tätig waren.



Watyi Phyo ist heute 19 Jahre alt. Ihre Eltern wurden von dem Tropensturm getötet, sie selbst wurde gerettet und lebt heute bei ihren Grosseltern in dem Dorf Thazin Village. Ihr Grossvater, von Beruf Schreiner, verwaltet das Grundstück eines Mannes, der ihn dafür umsonst ein kleines Haus bewohnen lässt. Nur gelegentlich findet er kleinere Aufträge in seinem Beruf.

Watyi Phyo hat in den letzten Jahren einigen Schulunterricht versäumt, weil die nötigen Mittel zum Schulbesuch nicht da waren. Wir fördern Wyi Yin Phone jetzt mit monatlichen Zahlungen aus unserem Schüler-Förderprogramm. Trotz des Versäumten ist Wyi Yin Phone eine sehr gute Schülerin und möchte nach dem Abschluss gerne in Pathein, der Kreishauptstadt studieren.


Google Impact Challenge

Google veranstaltet derzeit eine Art Wettbewerb für gemeinnützige Organisationen. Die besten 100 Ideen für den Einsatz digitaler Techniken in sozialen Projekten werden mit je 10.000 € prämiert. Da wollten wir mal mitmachen!
In einer (aus der Hüfte geschossenen) Ideenskizze haben wir vorgeschlagen, einen Youtube-Kanal für unsere Projekte in Myanmar einzurichten, der für eine direktere Verbindung zwischen unseren Förderern in Deutschland und den aktiven Helfern in Myanmar sowie den geförderten Personen genutzt werden soll. Auch 'educational videos' zur Bildungsförderung, Gesundheitsaufklärung usw. könnten dort veröffentlicht werden und gleichzeitig auch einem breiten Publikum zugänglich werden.
Die erste Auswahlrunde ist gelaufen und wir sind dabei.
Jetzt geht es um eine detailliertere Projektbeschreibung. Wer hat Ideen und Interesse an einer Unterstützung dieses Projekts?
In der jetzt gestarteten zweiten Phase wird dann eine ziemlich noble Fachjury 200 der eingereichten Ideen auswählen. Danach gibt es dann ein 'public voting', um die 100 Gewinner zu ermitteln.

Kleine Hilfen


Zwei Schultafeln für die Grundschule von Stone Village: 23 $
Babynahrung für 6 Wochen für eine alleinstehende, mittellose Mutter, die keine Milch hat: 21 $

Kleine Summen - grosse Wirkung! Helft uns helfen!

Donnerstag, 5. November 2015

Faire Wahlen?

Drei Tage vor den ersten vielleicht freien Wahlen ist die Stimmung zunehmend angespannt und der Ton wird rauher. Es gibt Gewaltattacken auf Oppositionelle und Drohungen für den Fall des erwarteten Wahlsieges der NLD von Daw Aung San Suu Kyi, die bereits jetzt den Anspruch ihrer Partei auf die Führung des Landes erhebt. 
Es werden Betrügereien bei der Wahl befürchtet und die NLD mobilisiert ihre Anhänger zur genauen Beibachtung des Ablaufs der Wahl, die am kommenden Sonntag von 6 bis 16 Uhr stattfindet. 

Das Foto zeigt die Symbole der Parteien, wie sie auf den Wahlzetteln stehen werden. Eine Reihe von regierungsfreundlichen Parteien haben sich Ligos zugelegt, die das Ligo der NLD (Nr. 12) kopieren. Auch wurde der eigentlich gelbe Stern der NLD auf den Wahlzetteln in weiß geändert, was den Versuch der Wählertäuschung nahelegt.  


Stone Village - Ein Lehrer allein ist zu wenig


In Stone Village, einem abgelegenen Köhlerdorf, kümmern wir uns seit dem letzten Sommer um Schule und Lehrer. Natürlich wollte ich gerne dieses Dorf, das tief in den Bergwäldern liegt, wieder besuchen um selber zu sehen, wie es dort läuft.
Eine Abordnung von mehreren Männern auf Mopeds holte uns an der Landstraße ab, wo der Weg ins Hinterland abzweigt. Von da ging es auf dem furchtbar schlechten Weg fast zwei Stunden über Stock und Stein. Nach den extremen Regenfällen war der Weg in einem noch viel schlechteren Zustand, als ich ihn vom letzten Besuch in Erinnerung hatte. Während der Regenzeit ist auch kein Mopedbetrieb möglich, so dass unser project assistant bei seinen Besuchen einen mehrstündigen Fussmarsch je Richtung bewältigen musste.
In dem traumhaft romantisch gelegenen aber extrem armen Dörfchen wurden wir zunächst bewirtet, wie es dort und überall in Myanmar üblich ist, und dann über die kleine schmale Brücke zur Schule hinauf geführt und von den Dorfleuten begrüßt. In der festlich geschmückten Schule gab es dann einige sehr freundliche Ansprachen und viele Dankesworte.
Ich hatte Gelegenheit die Lehrerin, die von uns angestellt wurde mitsamt zwei ehrenamtlichen Helferinnen, die jeweils für zwei Tage pro Woche zur Ergänzung des Unterrichts mit dem Moped herbeigeholt werden, kennenzulernen. Da wir derzeit nur eine Lehrerstelle bezahlen können, klafft bei den über 50 Kindern der ersten vier Jahrgänge eine Lücke, die mit den zwei Helferinnen notdürftig überbrückt wiird.
Unter einem großen Baum in der Mitte des Dorfes gab es ein Mahl mit einer ganzen Reihe von einfachen Köstlichkeiten, das reine Idyll. Mit den Dorfleuten zusammen wurde das Problem der ungenügenden Trinkwasserversorgung erörtert, bei dem wir gerne helfen wollen, falls und sobald uns die Mittel zur Verfügung stehen.