Freitag, 13. November 2015

Reiseverlauf und ein Resumée

Die zweiwöchige Reise nach Myanmar war erfolg- und ergebisreich. Wir konnten alle unsere laufenden Projekte besuchen und ein deutliches Bild vom bisherigen Verlauf einholen. Am zeitaufwändigsten - aber sehr ermutigend - war wieder das Projekt der Schülerförderung, denn hier ging es nicht nur um Besuche in den jeweiligen Schulen und Gespräche mit Schulleitern und Lehrern sondern auch um Besuche bei den Kindern und ihren Familien in ihren Dörfern.

In drei Dörfern sowie einer Schule ging es um das drängende Thema der Trinkwasserversorgung - Projekte, für die uns zurzeit genauere Informationen, technischer Input und vor allem die Geldmittel fehlen. Erkundung der jeweiligen Möglichkeiten, technische und finanzielle Vorplanung und Mittelbeschaffung sind notwendig.

Das freundliche uns sehr ernst gemeinte Angebot unseres Freundes, Mönch des Klosters Thalat Khur, uns ein Grundstück neben dem Kloster mitsamt einem Haus zu überlassen, war besonders erstaunlich, ermutigend und begeisternd. Was es mit dieser 'Basis' auf sich haben soll, dazu folgt demnächst mehr.

Unser Projekt der Lehrerfinanzierung in Stone Village läuft ebenfalls gut. Für die über 50 Kinder der ersten vier Jahrgänge ist die eine Lehrerstelle jedoch zu wenig. Im Moment behilft man sich dort, indem zwei junge Uni-Absolventinnen für jeweils 2 Tage in der Woche als Verstärkung hinzu geholt werden, mit denen die von uns finanzierte Lehrerin das Gehalt teilt. Die Lösung des Problems wäre die Anstellung eines zweiten Lehrers, wofür jedoch keine Mittel vorhanden sind.

Sehr angenehm war das Kennenlernen mit drei jüngeren Männern aus Ngwe Saung, die sich für unsere Projekte begeistern und willens sind, uns nach Kräften zu unterstützen. Die freundlichen Leute haben uns auf einigen der aktuellen Exkursionen begleitet. Wir sind auf diese 'local people' absolut angewiesen und diese neuen Kontakte eröffnen uns weitere Möglichkeiten.

Die Herbstreise nach Myanmar geht zu Ende. In den kommenden Blogposts werde ich noch zu einigen Einzelheiten dieser Reise berichten.

Trinkwassernot und Mangelernährung

äGeniessbares oder überhaupt zum Verzehr geeignetes Wasser ist an vielen Orten, die wir besuchen ein zentrales Thema. Zwar gibt es irgendwie immer einen Zugang zu Wasser, jedoch ist dieses während der heissen Jahreszeit von März bis Juni und in der Monsunzeit von Juli bis Oktober oft von übelster Qualität - und muss überdies auch über längere Strecken in Kanistern herbeigetragen werden. Im tropischen Sommer gehen die Reserven der Regenzeit gegen Null, in der Monsunzeit werden die Quellen dann oft überspült und verunreinigt.
In den armen Dörfern bedeutet das, dass - wer es sich irgendwie leisten kann - Trinkwasser in grossen Plastikflaschen kauft, während den Ärmsten nichts anderes übrig bleibt, als schlechtestes Brunnenwasser zu benutzen. Für Kinder und Kranke ein grosses Risiko.

Beim Essen sind die Regeln die gleichen: Keiner verhungert, aber für die Ärmsten gibt es eben fast nur Reis von schlechtester Sorte. Krankheiten sind die Folge der Mangelernährung. Wie immer, sind die Kinder und Schwachen am stärksten betroffen. 


Dörflicher Trinkwasserspeicher, der undicht ist und spätestens zwei Monate nach der Monsunzeit austrocknet.

Sonntag, 8. November 2015

Wahltag

Der kleinen Handvoll von Ausländern, die sich am Ort aufhält, wurde geraten, die Hotelanlagen aus Sicherheitsgründen heute nicht zu verlassen. Auf den Strassen und auch an dem kilometerlangen Strand waren so gut wie keine Menschen, auch keine Einheimischen zu sehen. Alles wirkte heute ruhig bis geradezu ausgestorben.
Mit dem Sonnenuntergang ging aber der übliche Trubel wieder los. Im Ort konnte ich überhaupt keine Unruhe oder besondere Aufregung erkennen.
Die Wahllokale haben um 16 Uhr geschlossen, aber anders als bei uns wird es wohl noch etwas dauern, bis hier Ergebnisse veröffentlicht werden. Es gab auch im Vorfeld der Wahl keine belastbaren Umfragen. Wählen ist in Myanmar eben etwas ganz Neues.

Samstag, 7. November 2015

Nargis und späte Folgen

Im Jahr 2008 fegte der tropische Wirbelsturm "Nargis" über Teile Südostasiens. Der Zyklon drückte eine Flutwelle ins Delta des Ayeyarwady-Flusses und tötete schlagartig über 100.000 Menschen. Noch viele mehr verloren alles Hab und Gut. Hilfe brachten nur die buddhistischen Mönche und kleine internationale Hilfsorganisationen, die während des Embargos in Myanmar tätig waren.



Watyi Phyo ist heute 19 Jahre alt. Ihre Eltern wurden von dem Tropensturm getötet, sie selbst wurde gerettet und lebt heute bei ihren Grosseltern in dem Dorf Thazin Village. Ihr Grossvater, von Beruf Schreiner, verwaltet das Grundstück eines Mannes, der ihn dafür umsonst ein kleines Haus bewohnen lässt. Nur gelegentlich findet er kleinere Aufträge in seinem Beruf.

Watyi Phyo hat in den letzten Jahren einigen Schulunterricht versäumt, weil die nötigen Mittel zum Schulbesuch nicht da waren. Wir fördern Wyi Yin Phone jetzt mit monatlichen Zahlungen aus unserem Schüler-Förderprogramm. Trotz des Versäumten ist Wyi Yin Phone eine sehr gute Schülerin und möchte nach dem Abschluss gerne in Pathein, der Kreishauptstadt studieren.


Google Impact Challenge

Google veranstaltet derzeit eine Art Wettbewerb für gemeinnützige Organisationen. Die besten 100 Ideen für den Einsatz digitaler Techniken in sozialen Projekten werden mit je 10.000 € prämiert. Da wollten wir mal mitmachen!
In einer (aus der Hüfte geschossenen) Ideenskizze haben wir vorgeschlagen, einen Youtube-Kanal für unsere Projekte in Myanmar einzurichten, der für eine direktere Verbindung zwischen unseren Förderern in Deutschland und den aktiven Helfern in Myanmar sowie den geförderten Personen genutzt werden soll. Auch 'educational videos' zur Bildungsförderung, Gesundheitsaufklärung usw. könnten dort veröffentlicht werden und gleichzeitig auch einem breiten Publikum zugänglich werden.
Die erste Auswahlrunde ist gelaufen und wir sind dabei.
Jetzt geht es um eine detailliertere Projektbeschreibung. Wer hat Ideen und Interesse an einer Unterstützung dieses Projekts?
In der jetzt gestarteten zweiten Phase wird dann eine ziemlich noble Fachjury 200 der eingereichten Ideen auswählen. Danach gibt es dann ein 'public voting', um die 100 Gewinner zu ermitteln.

Kleine Hilfen


Zwei Schultafeln für die Grundschule von Stone Village: 23 $
Babynahrung für 6 Wochen für eine alleinstehende, mittellose Mutter, die keine Milch hat: 21 $

Kleine Summen - grosse Wirkung! Helft uns helfen!

Donnerstag, 5. November 2015

Faire Wahlen?

Drei Tage vor den ersten vielleicht freien Wahlen ist die Stimmung zunehmend angespannt und der Ton wird rauher. Es gibt Gewaltattacken auf Oppositionelle und Drohungen für den Fall des erwarteten Wahlsieges der NLD von Daw Aung San Suu Kyi, die bereits jetzt den Anspruch ihrer Partei auf die Führung des Landes erhebt. 
Es werden Betrügereien bei der Wahl befürchtet und die NLD mobilisiert ihre Anhänger zur genauen Beibachtung des Ablaufs der Wahl, die am kommenden Sonntag von 6 bis 16 Uhr stattfindet. 

Das Foto zeigt die Symbole der Parteien, wie sie auf den Wahlzetteln stehen werden. Eine Reihe von regierungsfreundlichen Parteien haben sich Ligos zugelegt, die das Ligo der NLD (Nr. 12) kopieren. Auch wurde der eigentlich gelbe Stern der NLD auf den Wahlzetteln in weiß geändert, was den Versuch der Wählertäuschung nahelegt.